Welche Religion vertritt Amma?

Interfaith Award, New York, 2006


“Wenn du sagst, meine Religion ist besser als deine, so ist das, wie wenn du sagen würdest: Ich habe die liebste Mutter der Welt aber deine ist eine Prostituierte.” —Amma

Amma tritt für die Toleranz aller Religionen ein und wurde für ihr Engagement für die Verständigung zwischen den Religionen im Jahre 2006 mit dem Interfaith Award (IFCNY) ausgezeichnet, den zuvor auch der Dalai Lama und Bischof Desmond Tutu erhalten haben.

Amma wird in ihrer Heimat Indien als Mahatma verehrt. Das Wort Mahatma kommt aus dem Sanskrit und bedeutet „große Seele“ oder auch „derjenige oder diejenige, die ein großes Herz hat“. Ein Mahatma steht über Einschränkungen wie nationale Identität, Geschlechtszugehörigkeit, soziale Schicht (Kaste) oder religiöse Ausrichtung. Er ist fähig, allen Menschen Verständnis und Mitgefühl entgegenzubringen, da seine Wahrnehmung durch keinerlei persönliche Interessen oder Vorstellungen getrübt wird.

Ein Mahatma hat die Fähigkeit, andere wirklich zu verstehen und ihnen zu helfen, die gleichen Bewusstseinsebenen zu erlangen. Alle religiösen Traditionen scheinen von solchen Persönlichkeiten geprägt zu sein.
Ob jemand für einen ein Mahatma ist, bestimmt in Indien nicht eine klerikale Behörde, sondern das muss jeder für sich selbst entscheiden. In den traditionellen indischen Schriften wie der Bhagavad Geeta werden die Eigenschaften eines Mahatma beschrieben.
Zu Amma kommen Menschen aller Religionen, egal ob in Indien, Europa, den USA, Japan oder Singapur. Amma erklärt:

Gott ist kein begrenztes Wesen. Gott ist alles durchdringend, allmächtig und allwissend. Gott ist das Prinzip des Lebens und das Licht des Bewusstseins in uns. Gott, der reine Glückseligkeit ist, ist wahrhaftig unser eigenes Selbst.
Allein der Verstand ist die Ursache von Anhaftung beziehungsweise Freiheit. Religion ist das Prinzip, das den Verstand von den mannigfaltigen Gedanken und Emotionen und von seiner Abhängigkeit von äußeren Objekten befreit. Sie hilft dem Verstand, den Zustand ewiger Freiheit oder Unabhängigkeit zu erreichen. Es ist die Haltung von “Ich” und “Mein”, die uns abhängig macht. Die Ausübung der Grundsätze wahrer Religion ist der Weg, der zur Beseitigung des Egos führen wird.
Wahre religiöse Prinzipien verleihen uns die Kraft und den Mut, den schwierigen Situationen im Leben mit einem ausgeglichenen und ruhigen Geist zu begegnen. Religion ebnet den Weg dafür, dieses Leben mit größerer Freude, Begeisterung und Vertrauen zu umarmen. Für jemanden, der diese Grundsätze wirklich in sich aufgenommen hat, ist das Leben das freudevolle Spiel eines unschuldigen Kindes.

(Aus: „Mögen Eure Herzen erblühen“, S.34)