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"Zeitverlust ist ein Verlust für immer"
Amma über die Zweckmäßigkeit spiritueller Praktiken
01. Februar 2010, Amritapuri, Indien
Ammas Spaziergang zum Strand ist für viele Ashrambewohner und Besucher ein willkommenes Signal. Traurige Gesichter erblühen in einem Lächeln, überraschte Blicke wandeln sich in Freude. Solche Dinge bewirkt Ammas Anwesenheit. Der ganze Abend wird zu einem Fest.
Am Montag zuvor läutete um 17:00 Uhr die Glocke und Amma ging von ihrem Zimmer zum Strand. Die Menschen mögen es, sich hinter ihr zu scharen, um an ihrer Seite mitzugehen immer in der Hoffnung, einen Blick von ihr zu erhaschen. Amma schaute auch sie liebevoll an. Es war ein wunderschöner Anblick.
Amma setzte sich zum Meer hingewandt unter eine Kokospalme, und leitete eine Meditation für alle, die sich um sie herum versammelt hatten, während Swamiji übersetzte. Nach der geführten Meditation stellte Amma folgende Frage "Was denkt ihr über die Zweckmäßigkeit spiritueller Praktiken?" Amma war es ein besonderes Anliegen, die Bedeutung spiritueller Praxis während ihrer jüngsten Satsang-Meditations-Sitzungen hervorzuheben.
Viele Devotees bemühten sich um eine Antwort. Amma hörte einem nach dem anderen zu, wobei sie jeden einzelnen sowie alle um sich herum anschaute. Nachdem noch einige ihre Ansichten geäußert hatten, sagte ein 8jähriges Mädchen: "Alles liegt in Gottes Händen. Wir müssen zu Werkzeugen in Gottes Händen werden. Die Welt ist angefüllt mit Begierden, hinter denen herzulaufen sinnlos ist." Amma hörte dem Mädchen zu, zog sie dann zu sich heran, schaute sie tiefgründig an, um sie schließlich wie eine stolze Mutter voller Zuneigung zu umarmen, indem sie sanft ihren Kopf seitlich gegen den des kleinen Mädchens drückte.
Eine Person, die wenige Meter von Amma entfernt saß sagte: "Wenn ich auf meiner Meditationsmatte sitze, weiß ich zwar, dass das eine gute Praxis ist, weiß allerdings nicht, wie zweckmäßig das ist. Um das herauszufinden, bin ich hier bei Amma."
In der Zwischenzeit krabbelte ein Finnischer Knirps, Amritavarshini, die kaum ein Jahr alt ist, auf Ammas Sitz. Amma hob sie hoch und setzte sie auf einen freien Platz neben sich. Die Kleine nahm ein paar Blumen und begann damit, sie Amma zu geben. Behutsam nahm Amma sie entgegen und legte sie liebevoll auf den Kopf der Kleinen. Dies ging einige Minuten so, während sich die Leute unterhielten. Dann holte die Kleine ein schönes Bild der Göttin Kali hervor, um es Amma zu schenken. Amma nahm es an, und gab es, nachdem sie es gesegnet hatte, der Kleinen zurück. Die Kleine opferte nun die Blumen wie beim Archana dem Kali-Bildnis, nachdem sie es auf Ammas Platz gestellt hatte. Amma lächelte liebevoll, und die Kleine hielt Amma ihre Wange hin. Amma küsste die Kleine, und zeichnete dabei ein kleines Kunstwerk in Form eines Blattes auf die Wange der Kleinen. Die Kleine drehte sich auf der Stelle um und zeigte mit einem stolzen und schönen Lächeln auf dem Gesicht allen Leuten um sie herum das Kunstwerk.
Als das Mikrofon weitergereicht wurde, befasste sich eine weitere Person mit Ammas Frage. "Amma, wenn ich hungrig bin, esse ich etwas. Ob dies zweckmäßig oder notwendig ist, das weiß ich nicht. Deine Frage löst bei mir eine Reihe weiterer Fragen aus!"
Eine Amma gegenüber sitzende Dame sagte: "Ich weiß nicht, wie zweckmäßig es ist, für das Archana jeden Morgen um 4 Uhr früh aufzustehen."
Amma lachte und sagte ihr, "wenn man eine Prüfung in der Schule hat, ist es nötig früh morgens aufzustehen, um sich darauf vorzubereiten. Mit spirituellen Übungen ist es ähnlich. Momentan haben wir unseren Geist nicht im Griff. Begierde nimmt in ihm Form an. Man benötigt dauerhafte Praxis, um die Natur des Geistes zu verstehen. Nur dadurch wird es uns gelingen, unseren Geist "belüftet" zu halten. Wenn uns Freude oder Sorgen befallen, dürfen wir weder überglücklich noch übermäßig traurig reagieren." Amma erläuterte die Zweckmäßigkeit spiritueller Übungen.
Sie fuhr fort und sprach: "So wie die Schildkröte Kopf und Beine in ihren Panzer einziehen kann, wenn sie diese gerade nicht benötigt, so sollte sich der Geist zurückziehen, wenn er nicht benötigt wird oder in Gefahr gerät. Amma fuhr mit einem weiteren Beispiel fort, dem Beispiel mit der Kaulquappe und dem Frosch. "Solange die Kaulquappe einen Schwanz hat, bleibt sie ausschließlich im Wasser. Sobald sie aber ihren Schwanz verliert und sich in einen Frosch verwandelt hat, kann sie sich sowohl im Wasser als auch auf Land aufhalten. Indem wir unser Ego verlieren, können wir überall glücklich leben. Überall ist das Eine Selbst. Liebe jeden, diene jedem". Amma betonte erneut Ziel und Zweck spirituellen Lebens.
Amma lächelndes Gesicht trug die tiefgründige Weisheit der Veden in sich.
Und dann führte Amma die Geschichte eines Menschen an, der in einen reißenden Fluss stürzte. Amma erklärte, dass man mittels dauerhafter spiritueller Praxis wenigstens nicht zurückgeworfen werden könne, selbst wenn man sich nicht vorwärts bewege. "Wenn jemand einen geschäftlichen Verlust erleidet, dann kann er sich davon erholen, doch Zeitverlust ist ein Verlust für immer. Die Jugend kehrt nicht zurück, die Kindheit genauso wenig. Daher muss man diese Bewusstheit heranzüchten und sich kontinuierlich bemühen", so mahnte Amma alle.
Die Sonne versank im Ozean. Auch die letzten Strahlen waren im Wasser verschwunden. Langsam senkte sich die Dunkelheit auf alles nieder. Amma sagte weiter, dass wir "uns nicht über die Dunkelheit um uns herum beklagen dürfen. Wie haben eine brennende Kerze bei uns. Gehe jeden Schritt mit Vertrauen. Diese Kerze wird jeden deiner nächsten Schritte erleuchten."
Nachdem sie "Mukundamurai gopala" gesungen und sich auf den Weg zurück zum Ashram gemacht hatten, wo sie an den Abendbhajans teilnehmen wollten, dachten viele Ashrambewohner und Gäste darüber nach, wie glücklich sie doch waren, Amma bei sich zu haben Amma, die ihre Hand hält, neben ihnen her geht und sie bei jedem ihrer Schritte mit Liebe und Vertrauen tränkt.
Quelle: www.amritapuri.org
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