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Erfahrungsbericht von Ravi Marshetwar

"Der Bau eines Wasserreservoirs kostet 1200 Dollar – zwölfhundert Dollar können eine Familie retten."

"Ich bin Bauingenieur. Zehn Jahre habe ich in Muscat am Golf gearbeitet, dann kehrte ich nach Vidarbha zurück. In den vergangenen fünf Jahren habe ich als unabhängiger Sozialarbeiter gearbeitet und den Familien von Bauern, die Selbstmord begingen, geholfen. Ich habe die Patenschaft für das Dorf Malegaon Taq in Washim übernommen. Dort leben 120 Familien, das sind ungefähr tausend Menschen. An einem Berghang haben wir einen Staudamm gebaut, der in Zukunft viele Wasserspeicher versorgen könnte, aber dafür sind Pumpen und Rohrleitungen notwendig. Ich finanziere das mit meinen Ersparnissen und lebe einfach, wie ein Brahmachari. Auch mein Bruder und Vater helfen den Menschen, das ist so üblich in unserer Familie.

...

Seit sieben oder acht Jahren ging ich regelmäßig zu Ammas Darshan. Im Januar 2007 kam ich nach Amritapuri, um Amma von den Problemen, die ich in Washim hatte, zu erzählen. Sie hörte mir mit Tränen in den Augen zu und sagte, sie würde über alles nachdenken. Im Juni sandte sie Brahmachari Eknath, um uns zu helfen. Amma wollte den Kindern eine Ausbildung verschaffen und den Frauen Arbeit, also legten wir gemeinsam los und gründeten ein Mata Amritanandamayi Samiti.

Die Region Vidarbha, im Osten des Bundesstaats Maharashtra, besteht aus zwölf Bezirken, von denen sechs sehr arm sind: Washim, Akola, Amravati, Buldhana, Yeotmal und Wardha. Es mangelt vor allem an Bildung und an Wasser. Obwohl wir genug Regen für den Pflanzenbau haben, können wir das Regenwasser nicht richtig einsetzen. Wir bräuchten Staudämme, Reservoire und finanzielle Mittel, um den armen Bauern bei der Wasserwirtschaft zu helfen. Die Wasserknappheit könnte ganz praktisch gelöst werden. Wir nehmen uns ein Beispiel an Israel, wo nur 15 cm3 Regen im Jahr fallen, und dennoch vom gespeicherten Regen die Felder bewässert werden. In Vidarbha fallen jährlich 135 cm3 Regen – neunmal soviel wie in Israel. Und dennoch leiden wir an Dürren, weil wir nicht das Geld haben, ein System zur Regenwassernutzung aufzubauen. In diesen Bezirken nehmen sich Tausende von Landwirten das Leben.

Sojabohnen und Baumwolle sind die zwei wichtigsten Anbauprodukte. Sojabohnen können ca. hundert Tage nach der Aussaat geerntet werden, aber der Boden erlaubt nur eine Ernte im Jahr. Während der Wachstumsperiode benötigt die Sojapflanze drei- bis viermal Regen. In Vidarbha bedeutet dies: Fällt der Regen aus, dann fällt auch die Ernte aus. Mit diesem Ertragsausfall verliert der Landwirt sein gesamtes Jahreseinkommen. Dann begehen viele Bauern Selbstmord, denn sie fühlen sich vollkommen überwältigt von dieser finanziellen Notlage. Sie haben Insektizide, sie wissen welches das stärkste Gift ist und das trinken sie.

Pro Hektar Land werden in Vidarbha durchschnittlich 1,2 Tonnen Sojabohnen geerntet, in den USA liegen die Erträge bei 7 bis 8 Tonnen und in Israel sogar bei 200 Tonnen.

In Malegaon Taq gibt es einen Hügel, auf dem wir drei Becken ausgehoben haben, drei Meter tief, für drei Familien. Dank dieser Wasserreservoire konnte jede Familie 20.000 Rupien mehr verdienen. Während der viermonatigen Wachstumsperiode der Sojapflanzen regnet es manchmal einen Monat lang nicht. In diesem Fall können wir heute das Wasser aus dem Reservoir mithilfe einer Dieselpumpe zu den Feldern leiten. Die Ernte ist gerettet und der Bauer hat etwas zum Verkaufen. Der Bau eines solchen Wasserreservoirs kostet 1200 Dollar – zwölfhundert Dollar können eine Familie retten.

Ich möchte in den sechs ärmsten Bezirken solche Becken ausheben, am besten sechs Meter tief. Mein Dorf benötigt fünfzig solcher Teiche. Durch diese steigt auch das Wasser in den nahe gelegenen Brunnen wieder, denn von dem gespeicherten Wasser sickert auch etwas in die Erde, der Grundwasserspiegel in der Umgebung erhöht sich. Der Grundwasserspiegel in Vidarbha ist bereits um 60 Meter gesunken! Deshalb sterben Tiere. Füchse, Affen und Kaninchen sterben. Rehe wandern auf der Suche nach Wasser in die Dörfer und verwüsten die Felder. Wenn wir Wasser speichern können, dann können auch die Tiere leben und die Vögel kehren zurück. So hilft die Regenwassergewinnung auch beim Umweltschutz. Außerdem können die Frauen dann auf den Feldern bei der Aussaat und Ernte arbeiten. Wasserreservoire sind der Schlüssel zur Schaffung von Arbeitsplätzen.

Viele staatliche Vorschriften erschweren den Landwirten die Arbeit, insbesondere das Ausheben von Wasserrückhaltebecken, denn die Verwendung von Dynamit ist untersagt und für den Kauf von Sprengstoffen mit Hilfe staatlicher Zuschüsse sind die Bauern zu arm. Sie verdienen nur knapp einen Euro am Tag. Ein wirklich bedürftiger Kleinbauer kann keinen Kredit aufnehmen und somit auch kein Saatgut kaufen. Die Bank weiß, dass er den Kredit nicht zurückzahlen kann, wenn er keinen Zugang zu Wasser hat. Ein Bauer, der Baumwolle anbaut, muss 2.500 Rupien ausgeben, um 100 kg Baumwolle zu produzieren, aber der Marktpreis liegt nur bei 1.800 Rupien. Siebzig Prozent der Landwirte in Vidarbha haben weniger als zwei Hektar Land. Die Arbeitslosenquote ist hoch. Frauen, in der Regel Mütter, können nur einmal im Jahr - während der Regenzeit - Arbeit finden.

Diese Bedingungen sind sehr hart für die armen Kleinbauern. Es ereignete sich nur drei Kilometer von Washim: Die junge Tochter eines Bauern sollte heiraten. Aber ihr Vater schämte sich so sehr, den Gästen zu begegnen, da er die Mitgift nicht aufbringen konnte. So nahm er sich das Leben. Jetzt hat die Familie noch mehr Probleme. Wenn ich wieder in Vidarbha bin, werde ich die Familie besuchen und meine Hilfe anbieten und der Witwe einen Sari von Amma überreichen.

Staudämme und Wassertanks können alles ändern. Vor kurzem wurde in einem Dorf ein Staudamm fertig gestellt, die Bauern bauen nun Weizen an und die Frauen arbeiten auf den Feldern. Eine Frau kann 3000 Rupien in einer Saison verdienen. Arbeit für Frauen ist außerordentlich wichtig, denn in Indien hängt das Wohlergehen der Familie von der Mutter ab.

Mit Hilfe von Baggern und Dieselpumpen könnten wir selbst die Wassertanks bauen. Mit hundert Reservoiren wäre der Anbau gesichert und die Ernten sehr ertragreich. Ich könnte am Beispiel eines Dorfes ein Wunder aufzeigen und der Welt damit die Augen öffnen."
   

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