Amma spricht über den Selbstmord von Bauern
Am 24. Februar 2008 war Amma mit einem öffentlichen Programm in Washim, einer landwirtschaftlich geprägten Stadt im VidarbhaBezirk Maharashtras. Sie gab Darshan für Tausende verarmter Bauern, die unter großem wirtschaftlichen Druck stehen, der schon sehr viele ihrer Standesgenossen in den Selbstmord trieb.
Amma hörte sich die Probleme der Menschen an. Sie spendete Trost und trocknete die Tränen hunderter Witwen und verwaister Kinder, und ließ in ihnen mit ihrer mütterlichen Umarmung und ermutigenden Worte neue Hoffnung und Freude aufleben.
Der Besuch in Washim fand im Rahmen von Ammas Nordindientour statt. In Begleitung von ca. 400, zum großen Teil ausländischen Ashram-Bewohnern, reist Amma durch ganz Indien. Am Tag nach dem Programm in Washim fragte ein ausländischer Devotee während einer Rast am Straßenrand Amma, wie sie die Situation in der Region beurteile.
Dies war eine seltene Gelegenheit, Amma wie im Folgenden dargestellt ausführlich über die Notlage der Bauern Indiens reden zu hören. "Das Leben der Menschen in dieser Region dreht sich um die Landwirtschaft", erklärte Amma. "Der Staat müsste sie unbedingt unterstützen. Mancherorts geschieht dies auch, aber die Hilfe ist nicht effektiv genug. In anderen Orten geschieht von Regierungsseite überhaupt nichts. Einige Bauern
besitzen und bewirtschaften lediglich ein kleines Stück Land, das im Durchschnitt zwischen einem und vier Acres (= 4047 m2) groß ist; dies ist ihre einzige Einkommensquelle. Wenn die Saat nicht aufgeht oder bei der Ernte Probleme entstehen, bedeutet das ihren Ruin.
Zuweilen geschieht es, dass der Kilopreis für eine bestimmte Frucht bei der Aussaat 20-30 Rupien beträgt, zur Zeit der Ernte jedoch auf 10 Rupien oder sogar noch darunter gesunken ist. In diesem Fall bleibt den Bauern, falls sie ihr Land weiter bewirtschaften wollen, nichts anderes übrig als sich Geld zu leihen, wobei sie das Land als Sicherheit einsetzen müssen. Oftmals erhalten sie weder von staatlichen Institutionen noch von seriösen Banken einen Kredit aufgrund des hohen Risikos und sind daher gezwungen, sich an private Geldverleiher zu wenden. Diese verlangen Wucherzinsen zwischen 30 und 40%, was für die Bauern eine derart hohe finanzielle Belastung darstellt, dass sie am Ende nicht mehr in der Lage sind, ihre Erntehelfer zu bezahlen.
Möglicherweise haben sie auch noch andere Ausgaben, z.B. eine Tochter im heiratsfähigen Alter, für die sie eine Mitgift aufbringen müssen. Das Ergebnis von alledem ist der vollständige und endgültige finanzielle Zusammenbruch. Die Bauern sehen in ihrer großen Hilflosigkeit und Ohnmacht keinen anderen Ausweg, als sich umzubringen. Sie geben ihren Kindern Gift und trinken es anschließend selbst."
Amma führte weiter aus, dass die Bauernfamilien bei der Bewirtschaftung des Landes oft vollkommen auf sich gestellt sind. Auf den Schultern der Kinder lastet Mitverantwortung, vielfach sind sie gezwungen ihre Schulbildung bereits in jungem Alter abzubrechen.
Hilfen für Mütter und Kinder
Amma legte dar, wie der MAM in ganz Indien 100 000 Stipendien für diese Kinder zur Verfügung stellt ( Vidyamritam-Projekt). "Zumindest den lernwilligen Kindern sollte die Möglichkeit zum Schulbesuch gegeben werden, damit sie eine Grundausbildung erhalten. Das eröffnet ihnen und ihren Familien zusätzliche Einkommensmöglichkeiten. Amma ist der Auffassung, dass diese Situation durch die Fixierung der Familien auf die Landwirtschaft entstanden ist. Alternative Einkommensquellen werden ihnen möglicherweise schon weiterhelfen. Der Ashram hat damit begonnen, berufsbildende Kurse für Frauen aus solchen Familien abzuhalten ( AmritaSREE-Projekt). Die Gruppen erhalten einen gewissen Betrag als Startkapital, damit sich die Frauen eine selbständige Tätigkeit zuhause aufbauen und ihr Einkommen aufbessern können. Der Ashram ist bei der Vergabe von Krediten seriöser Banken an die Gruppen behilflich. Dies verringert ihre Abhängigkeit von den Launen der Natur und einer guten Ernte."
Hoffnung für einen Ertrinkenden
"Wenn jemand in einem Fluss zu ertrinken droht klammert er sich an jeden Strohhalm, um sein Leben zu retten. Amma sieht in diesen Programmen einen solchen Strohhalm, der den Menschen zumindest etwas Hoffnung auf die Zukunft gibt."
Schlimmer als ein dritter Weltkrieg
Anschließend ging Amma auf das umfassendere Problem ein, dass die Böden aufgrund von Umweltverschmutzung, globaler Erwärmung und anderweitiger Nutzung durch die wachsende Bevölkerung ihre Fruchtbarkeit verloren haben. Nachdrücklich wies sie darauf hin, dass Indien mehr Forschung im Bereich der Agrartechnologie und der Nutzung von Regenwasser betreiben müsse. "Es gilt über Wege nachzudenken, Wasser bestmöglich zu nutzen. Wir müssen es schaffen, mit weniger Wasser höhere Ernteerträge zu erwirtschaften und Wasser aus Seen, Teichen und Flüssen für die Landwirtschaft verfügbar zu machen."
Künstliche Methoden in der Landwirtschaft, führte Amma weiter aus, seien ihrer Meinung nach ein notwendiges Übel. "Diese Methoden, höhere Erträge zu erhalten, stillen vorübergehend den Hunger, doch letztendlich richten sie großen Schaden an. Es ist dasselbe, als ob man einen Esel mit einem Pferd kreuzt. Das Ergebnis ist ein Maultier, das weder die guten Eigenschaften des Pferdes noch des Esels besitzt.
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In ähnlicher Weise bewirken diese Methoden mehr Erträge, gefährden jedoch langfristig die Gesundheit auf körperlicher und geistiger Ebene. Dennoch gibt es augenblicklich keine Alternative dazu. So weit haben wir es nun gebracht! Eine Zeitlang können wir auf diese Weise weitermachen wie ein Krebs-patient, der sein Leben durch Chemotherapie um ein halbes Jahr verlängert.
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In Wirklichkeit ist die Situation schlimmer als in einem dritten Weltkrieg, da tritt der Tod sofort ein und dieses langwierige Leiden bliebe uns erspart. Eine derart verfahrene Situation zu ändern ist wirklich eine Herkules-Aufgabe. Nur wenn wir Liebe und Mitgefühl in uns wecken und einträchtig zusammenarbeiten, können wir darauf hoffen, dass sich die Dinge zum Besseren wenden."
Foto: nach ihrem Programm in Vidarbha schildert Amma den mitreisenden Ashram-Bewohnern während einer Rast am Straßenrand die Notlage der indischen Bauern
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